Gerolsteiner Restaurant-Bestenliste 2012

Wenn es etwas zu feiern gibt, dann stossen wir an mit…Wasser? Warum eigentlich nicht. Perlage hätten wir jedenfalls. Und wer schon einmal die Gelegenheit hatte, einer kompetent moderierten Wasserverkostung beizuwohnen, weiss um die durchaus vorhandene aromatische Vielfalt.

Daher gilt für jedes gute Restaurant, neben einer sorgfältigen Auswahl an Aperitifs, Weinen, Digestifs oder Kaffee, ein wohlgewähltes Wasser auszuschenken. Umgekehrt kümmern sich die Wasserhersteller um die Befindlichkeiten der Restaurants. Allen voran macht S. Pellegrino alljährlich internationale Furore mit den „World´s Best 50 Restaurants“, dem über Jahre hinweg Ferran Adriàs El Bulli seinen Titel des besten Restaurants der Welt verdankte. Diesen Titel hält mittlerweile das Restaurant Noma in Kopenhagen im Pellegrino-Ranking inne.

Aber wer braucht schon Pellegrino, wenn er Gerolsteiner Mineralwasser hat. Der Brunnen in der rheinand-pfälzischen Vulkaneifel trägt den Stern im Logo, blickt auf Sterneküche und beschert dem kulinarischen Genussvolk der Republik nun gemeinsam mit der Zeitschrift Sternklasse eine Restaurant-Liste der besonderen Art.

Knapp 5.000 Restaurants in Deutschland knöpften sich die Gerolsteiner vor. Allerdings nicht, um einen weiteren Restaurant-Führer auszuarbeiten, sondern, um die wichtigsten Gourmet-Guides zu analysieren und für ein übergreifendes Ranking auszuwerten.

Die Vorgehensweise dabei, empfinde ich als überaus klug und fair. Die Bewertungssysteme von Sternen über Hauben zu Punkten wurde in ein Punktesystem umberechnet. Danach, und das ist ein bemerkenswerter Schritt, wurden die Gastronomen befragt, welche Bedeutung die einzelnen Gourmet-Führer für sie besitzen. Daraus entstand ein Faktor, mit dem die Bewertungsnote des jeweiligen Führers verrechnet wurde. Folgende Guides sind in das Verfahren einbezogen:

  1. Guide Michelin
  2. Feinschmecker Guide
  3. Gault Millau
  4. Varta Führer
  5. Schlemmer Atlas
  6. Gusto
  7. Der große Restaurant & Hotel Guide
  8. Marcellino´s

Die Wichtigsten, der in den acht Fundgruben der kulinarischen Erkenntnis enthaltenen Restaurants, werden berücksichtigt. Das sind zwar insgesamt nur 3% der 170.000 Gastronomie-Betriebe im Lande, aber immerhin 4.835 für die Gerlosteiner Expertise. Das Resultat läßt sich sehen und rückt die Ergebnisse der unterschiedlichen anderen Guides nochmals in eine gänzlich neue Relation zueinander.

Die Top 3 der Gerolsteiner Bestenliste überraschen wohl kaum. Platz 1 im Lande ist die Schwarzwaldstube in Baiersbronn. Auf Platz 2 folgt Das Aqua in Wolfsburg, gefplgt vom Vendôme in Bergisch Gladbach.

Und was macht Berlin in den Top 100? Hier führt das bewährte Fischers Fritz von Christian Lohse die innerstädtische Wertung an und nimmt Platz 22 ein. Etwas überraschend folgt dann auf Platz 29 das Lorenz Adlon Speisezimmer, das, für manche überraschend, gerade den zweiten Stern im Michelin einheimste. Michael Hoffmann, dem zahlreiche Hauptstädter den zweiten Stern ebenfalls gegönnt hätten, belgt mit seinem Margaux Platz 36. Ich selbst bin in Buch und Blog bekennender Fan des Facil im Mandala Hotel mit dem Marathon-Man Michael Kempf an den Töpfen und gratuliere (auch als nicht-Jogger) daher herzlich zu Platz 48. Weiter geht es mit dem first floor auf Platz 52. Eine Gabelbreite dahinter stürmt das Restaurant Tim Raue mit Platz 53 voran. Hugos im Interconti nimmt mit minimalsten Punkteabständen Rang 55 ein. Die Quadriga liegt beim Sightseeing auf Platz 1, im Restaurant-Ranking auf einem hervorragenden Platz 76 und Kolja Kleeberg überzeugt nicht nur duch die gesangliche Darbietung von „Minnie the moocher“, sondern auch mit seiner Kochkunst, die ihm Platz 98 beschert.

Ich selbst kam kürzlich äusserst glücklich aus Platz Nr. 2.283 und freue mich zugleich, dass ich noch nicht sämtliche der Berliner Bewerteten ausprobiert habe. Es gibt also gut etwas zu tun.

Die komplette Gerolsteiner Restaurant-Bestenliste ist online einzusehen.

Genau wie die Pellegerino Liste, auch im internationalen Format.

Und hier gibt es mehr zur Stern Klasse und zu Gerolsteiner.

Raines Law Room – Speakeasy wird niemals langweilig

Gesetzlich gerechtfertigter genialer Getränkegenuss. Die womöglich schönste Bar in New York. Einmalig ist sie allemal.

Ich bin gerade ganz glücklich, denn ich fand eine verschollene Foto-Speicherkarte wieder, die etliche Erinnerungen und Geschichten in sich trug, die ich verloren glaubte. Darunter einige Impressionen meiner letzen New York Reise, von denen ich mir erlauben werde, einige im Blog wiederzugeben, auch wenn die Tour bereits einige Monate zurückliegt.

Das Raines Gesetz von 1896 war eines der zahlreichen „Blue Law“ genannten Gesetze, welche von der Abstinenzlerbewegung in die Prohibition mündete. Die New Yorker Raines Law verbot den Ausschank alkoholischer Getränke an Sonntagen, was auf verständliches Murren bei der arbeitenden Bevölkerung stieß, war doch oft der Sonntag der einzig freie Tag, um sich Unternehmungen und Drinks zu gestatten. Viele Gesetze bieten ein Schlupfloch und dabei machte auch die Raines Law keine Ausnahme. Der Sonntagsausschank war weiterhin gestattet für Hotels mit mindestens 10 Zimmern, wenn sie ihren Gästen Essen servierten. Zahllose neue „Hotels“ wurden daraufhin angemeldet (gleichzeitig war ein enormer Anstieg der Prostitution zu verzeichnen), wo zuvor Schankstuben bewirteten. Das Essen war zweitrangig und so sind Berichte überliefert von sogenannten „Brick-Sandwiches“. Attrappen, bei denen ein Stein zwischen zwei Brotscheiben lag. Dumm, wenn jemand hineinbiss, aber gültig, wenn eine Razzia kam.

Diese Bar, Raines Law Room, in Chelsea, nicht weit vom Union Square, greift nicht nur den Namen auf, sondern die Historie als quasi Gesamtkunstwerk. Um Einlass zu finden, muss man klingeln und eine Reservierung zuvor ist auch kein Fehler. Die Stufen in das Souterrain führen gleichsam auf eine Zeitreise. Kaum ein Detail blieb unbeachtet. Eine altmodisch wirkende Tapete, nackte Backsteinwände mit Jazz-Motiven, Lampen, Gläser, Bekleidung des Personals – soweit noch nichts wahrlich Ungewöhnliches. Es sind die diskreten Details, die faszinieren. Wird Sevice gewünscht, so zieht man an der kleinen Kette, die an den Plätzer an der Wand baumelt. Ein Lichtsignal in der Küche (kein Bartresen, wir sind ja offiziell in einem „Hotel“) gibt ein Lichtsignal den Wunsch kund.

Dann wäre da das Fehlen des Bartresens zu erwähnen. Gemixt wird in der Küche. Ein eleganter Raum Anno 1900 mit einem Stehbereich, um den sich die Gäste scharen dürfen, die auf ihren Sitzplatz warten. Dabei wird wie auf einem Stehempfang geplaudert, während man die Handgriffe der Barkeeper beobachtet. Diese mixen klassische Rezepturen im Stile der Zeit, oder wandeln die Klassiker des Prohibitionszeitalters mit ihrer eigenen Handschrift ab. Ich hatte einen herrlichen Old Cuban, dem wohl einzigen Drink, der Champagner mit Rum köstlich vermählt (weitere Ideen und Tipps zu dieser Kombination bitte melden!), oder einen Princeton mit einem Gin, den ich bis dato nicht kannte (Miller´s Westbourne Strength), einem gereiften Port und Orange Bitters.

Die Aura der längst vergangenen Tage, versehen mit einer konspirativen alkoholischen Solidarität, wabert durch alle Räume. Die Zetireise setzt sich sogar in den Waschräumen fort:

Neben der Handtuch-Ablage ist die Tapete erkennbar, die auf den ersten Blick klassisch-verspielt wirkt, auf den zweiten Blick aber mit einer Art Jugendstil-Kamasutra erröten läßt. Hierbei sei angemerkt, dass im Gegensatz zu 1900, dieses heutige „Hotel“ auf den Punkt der Prostitution dann doch verzichtet. Denke ich…

Auf youtube fand ich noch einen clip, der einen der Barchefs zeigt, wie er eine Variante eines Wodka Old Fashioned zubereitet. Das Video wurde in der bemerkenswerten Küche gedreht und im Hintergrund sieht man die Leucht-Anzeigen der Serviceruf-Ketten.

Anschrift: 48 West 17th Street (zwischen 5th und 6th Avenue), NY 10011

Link: raineslawroom.com

Möchtegern-Mythos-Macher? Waldorf Astoria in Berlin

Aura Berlin. Berühmte Berliner Luft. Großstadtlegenden und Goldene 20er. Damals der Slogan: „Du bist verrückt mein Kind, Du musst nach Berlin!“ Klang doch irgendwie netter, als „Be Berlin“, (was wohl sowieso von „Be Birmingham geklaut war“. Da ist sogar „I Amsterdam“ cooler).

Berlin ist arm dran. In mehrfacher Hinsicht. 80% der Stadt wurde im zweiten Weltkrieg zerstört und der Wiederaufbau suchte Neues und nicht die Behutsamkeit des Bewahrens. Heute ist die Aura der Vergangenheit oft sehr willkommen, sie wird nur zuweilen eher mittelmäßig umgesetzt.

So strömen Besucher in den Friedrichstadtpalast, mit seiner eleganten Plattenbauweise à la aserbaidschanischer Rokoko. Das Adlon durfte vor geraumer Zeit gleichzeitig 10- und 100-jähriges feiern (erinnert sich noch jemand an den unterhaltsamen Prozess, als ein Kneipenwirt am Adenauerplatz, die Gerichtsverfahren um die Namensrechte gegen die mächtige Hotelkette gewann?). Das Kempinski am Kurfürstendamm hat lange gebraucht, eine Gedenktafel für die enteigneten jüdischen Gründer anzubringen. Das Lutter & Wegener am Gendarmenmarkt macht es noch recht schlau, die Aura von E.T.A. Hoffmann und Ludwig Devrient zu kultivieren, obwohl der Ort nicht der originale ist. Ein Aschinger ist wieder aufgetaucht. Gleich am S-Bahnhof Tiergarten hat sich derjenige, der sich die Namensrechte angeeignet hat, niedergelassen, um bemitleidenswerte Spaziergänger leidlich abzuspeisen und mit grellem blauen Licht zu terrorisieren.Immerhin bleibt uns somit das erbärmliche Hooters-Konzept erspart. (Heinz Horrmanns wundervolle Berichterstattung verführt mich jedoch heute noch zu lautem Gelächter!)

Wo sind originale Orte? Für den Admirals-Palast hätte die Stadt seinerzeit beinahe Abrissgenehmigung erteilt, nachdem Rene Kollo mit seinem Operettenkonzept versagte. Der Denkmalschutz kämpft stets gegen Windmühlen und leere Kassen. Am Kurfürstendamm hat 2011 Mövenpick seinen Standort aufgegeben (man möchte sich auf Raststättengastronomie konzentrieren) und übergab die wundervollen, historisch original erhaltenen Räume von „Mampes gute Stube des Westens“ an McDonalds. Immerhin haben die Fleischklops-Brater völlig unverhofft den alten Charme der Räume rudimentär beibehalten. (Ich berichtete damals auf der Explorise-Plattform unter dem Titel: McDenkmalschutz oder McAbrissbirne) , auch wenn nun verwirrte Teenager, vor Cheeseburger-Einwickelpapier, auf kaiserzeitliche Stukkaturen starren.

In diesem Umfeld geht nun 2012 also ein Waldorf Astoria an den Start. Zwischen Gedächtniskirche und Beate Uhse, bei Burger King und A&O Hostel. (In diesem Zusammenhang sei noch der benachbarte Dunkin´ Donuts boykottiert, der die legendäre Fussballkneipe „Hanne am Zoo“ verdrängt hat). Nun werden also Paris und Nicky Hilton die neuen Kinder vom Bahnhof Zoo. Die Exklusiv-Marke von Hilton errichtet das neue, höchste Gebäude in der City-West. Ein wenig Aufmerksamkeit wird der Gegend um den Bahnhof Zoo gut tun, gilt doch die Aufmerksamkeit derzeit, eher dem früheren Ostteil der Stadt.

Bei einer Baustellenbegehung für Journalisten gab es Ernüchterndes zu hören. So werden die obersten Etagen den teuersten VIP-Gästen vorbehalten sein. Die Hoffnung auf eine Sky-Bar löst sich in Wohlgefallen auf. Kulinarische Gäste bleiben im unteren Bereich. Schade. Wobei natürlich der bewährte Satz „Wir wollen auch ein Haus für die Berliner sein!“ nicht fehlen darf. Zwangsaussage jeder PR-Kohorte, selten wahr. Ich glaube, das Ritz-Carlton am Potsdamer Platz, ist das einzige Hotel, was diesen Leitsatz tatsächlich und aufrichtig umsetzen möchte.

Das Waldorf Astoria bemüht Mythen. Es wird eine Gastronomie geben, mit dem Namen „Romanisches Café“. Jenes legendäre Etablissement der 20-er Jahre, das die Bohème und intellektuelle, geistreiche Elite der Zeit zusammenführte. André Gide, die Ullstein-Brüder, Billy Wilder, Albert Einstein, Samuel Fischer, Else Lasker-Schüler, Otto Dix, Bertold, Brecht und Alfred Kerr. Mutig, oder? Wer soll da heute einkehren? Wie wird es das Original zitieren? „Wir werden wohl ein paar Bücherregale reinstellen“, lautete die Antwort des Pressebeauftragten.

Ein super Restaurant ist auch schon angekündigt. „Les Solistes by Pierre Gagnaire“ soll der Name lauten. Eines der mittlerweile arg populären Konzepte, bei der medienrelevante Köche ihren Namen und ein paar Rezepte abgeben, um Schlagzeilen zu gebären. Pierre Gagnaire, der sympatische kulinarische Wirbelwind, passt immerhin extrem gut zu Berlin. Er ist wohl einer der wenigen Drei-Sterne-Köche, die insolvent gingen. Damals, in St. Etienne. Pleite und Sexy, oder so ähnlich. Ein Dutzend Restaurants weltweit geniessen derzeit seine Patronage…Eine erste Präsentation der Speisen soll bereits stattgefunden haben. Wohl in sehr kleinem Rahmen. Für diese Speisen wird dann der Belgier Roel Lintermans als Küchenchef verantwortlich zeichnen. Küchenchef oder Marionette? Ich bin da O/P-mistisch.

Eine Bar wird es auch geben, was aber ein anderes Thema ist, über das beizeiten gestänkert wird.

Abschliessend kann ich noch das Musterzimmer preisgeben. 232 Zimmer und Suiten sind vorgesehen. Ein erster Eindruck (sympatischerweise mit einer leeren Moet-Chandon-Flasche garniert) hier:

Mehr Informationen auf der Netzseite: http://waldorfastoria3.hilton.com

Bubble Tea Terror

Ich möchte das Jahr mit einem Aufschrei des nackten Entsetzens einläuten. Hinterlistig schleicht sich eine vielköpfige Hydra ins Land, um dem Verbraucher ein neues Trendgetränk einzureden. Wir sollen Bubble Tea trinken. Ein gesüßte, teeähnliche Flüssigkeit, in der man gallertartige Tapiokakugeln versenkt hat, um Strohhalme und Kehlen zu verstopfen.

Man muss bestimmte Dinge nur oft genug penetrant wiederholen, dann werden sie Trend/Kult/beachtet. Sabine Christiansen, die Amigos und Ed Hardy wären als Beispiele offensichtlich. Und was in China immerhin noch den lyrischen Namen „Perlen Milchtee“ trägt, soll nun den durchschnittlichen Mitteleuropäer erquicken. Mich erquickt es nicht. Mit schmeckt diese Fruchtvariante von Sülze in Brühe überhauptgarnicht. Im Mai 2011 stellte man zudem in Taiwan fest, dass seit 20 Jahren ein fröhlicher Krebserreger namens Diethylhexylphthalat munter beigemengt wurde.

Nun eröffnet scheints an jeder Ecke in Berlin ein Bubble Tea Laden und die unsäglichen Pappkarton-Glutamat-mit-gebratenen-Nudeln Imbissimitate verkaufen es auch gleich mit. Wo ist Captain America, wenn man ihn braucht. Oder von mir aus auch Starbucks, der natürliche Feind jeder Teeisierung. Oder wird Starbucks bald marktgerecht Tapiokakugeln im Kaffee versenken? Zuzutrauen wäre es auch dieser Medusa.

Bubble trouble. Ich möchte anständige Sachen trinken. Gerne dürfen auch einmal weniger künstliche Aromastoffe in meinem Glas schweben. Somit protestiere ich. Gegen Bubble Tea. Weg damit. Dann lieber Ayran Shake Shops oder eine Retro-Milchbar.

Ich möchte diesen Blogbeitrag gerne bebildern, verfüge aber über keine Fotografie eines Buble Tea. Da ich selbigen erstmals vor Jahren im Chinatown von Manhattan trank, wähle ich stattdessen ein Foto einer wirren Demonstration in New York, bei der die überaus sonderbare Gruppierung „God hates the World“ gegen alles protestiert, wie sie es immer tut.

Gesucht: Der Don aka The Don

Wetzt die Messer! Kühlt die Gläser! Poliert die Shaker! Dear Barguys and -gals, hier kommt ein Angebot, dass ihr nicht abschlagen könnt. Ein Don wird gesucht.

Don Julio, die Tequilamarke, die in zahllosen Backboards schillert, die elegantesten Tequila-Drinks bereichert und die Gaumen der skeptischsten Tequila-Antificionados doch noch zu überzeugen wusste, sucht eine Persönlichkeit, um die Marke in 2012 zu repräsentieren. Als bekennender Tequila-Liebhaber freue ich mich sehr über einen Ansatz wie diesen, der das Destillat aus der blauen Weber-Agave mehr Menschen hierzulande näher bringt. Aber: Hurtiges Handeln ist angebracht. Silvester ist High Noon, also Bewerbungssschluss.

Bevor nun hysterisches Gekreische von bartechnischen Gleichstellungsbeauftragtinnen ausbricht: Auch Damen dürfen sich bewerben. Allerdings vermag ich nicht zu sagen, ob der Titel dann in Dona Julio, Don Julia oder die Marke für die Dauer der Amtszeit in Dona Julia umbenannt wird.

Are you the Don?

Bist Du „The Don“??? Dann kreiere den „Luxury Drop“, einen Shot mit Don Julio Tequila und einem besonderen und eigenwilligen Ritual des Trinkens. Die Aufgabe ist nicht leicht. Lasst es krachen, Leute, ihr wollt diesen Titel. Wart ihr luschigen White-Russian-Trinker bislang zufrieden mit dem Titel „The Dude“, so könnte nun ein neues Zeitalter beginnen und ein wahrer Ehrentitel warten. Zudem könnt ihr euch einreihen in die illustre Liste der durchlauchten Dons der diversen Dekaden. Sie alle sind nicht qualifiziert und stehen für das falsche Getränk.

Da hätten wir natürlich den Eingangs zitierten Don Corleone. Der braucht keinen Titel mehr, er hat ihn schon. Wie bemerkte der Pate einst: Weiterlesen

Zeit für die Wahrheit

War es eine Suche? Vermutlich nicht. Ein Zufall ließ mich auf die Wahrheit stoßen. Ist sie unbequem? Ist sie nackt? Jedenfalls befindet sie sich im Land von Bionade-Biedermeier, auf dem Pregnant Hill, im Prenzlauer Berg, nicht weit von der Zionskirchstraße. An eine Hauswand gepinselt:

Die Wahrheit

Und ich hatte immer gedacht, die  Wahrheit lautet: Realität ist eine Illusion, hervorgerufen durch einen Mangel an Alkohol…

Von Ale bis Zwickel – Ergebnis einer Expedition ins Bierreich

„Nur Wasser trinkt der Vierbeiner. Der Mensch, der findet Bier feiner.“ Bemerkte der unvergessene Heinz Erhardt zu Recht, der ja Zuweilen auch gerne für ein Glas Korn zu haben war.

Von Ale bis ZwickelIch bin glücklich, nun endlich das Ergebnis meiner Reise in die Welt des Bieres in Buchform vorlegen zu können. Von Ale bis Zwickel – Das ABC des Bieres lautet der Titel, hinter dem sich 144 Seiten mit Geschichten und Berichten aus Herstellung, Geschichte und Aktualität rings um den genialen Gerstensaft verbergen. Besonderer Schwerpunkt soll dabei auf die Vielfalt der unterschiedlichen Bierstile gelegt werden, die lohnen, wiederentdeckt zu werden. Allzu groß ist die Gefahr, dass immer mehr Brauerein und Biere einem gemeinstreamten Markt zum Opfer fallen, der am Liebsten nur ein einziges lasches, leichtes untergäriges Lagerbier, ohne störende Bitteraromen, vermarkten würde.

Wer kennt noch ein wahres Dortmunder Export? Wer hat schon einmal ein Steinbier genossen? Und wer, ausserhalb der Düsseldorfer Region, weiß, wie ein Altbier wirklich schmecken muss? Dazu kommen die internationalen Trends aus den Ländern, die der tumbe teutonische Trinker überheblich und unrechtmäßig verlacht, wie USA, Dänemark, Japan oder Italien. Dort wird mit spannenden Hopfensorten experimentiert, Bitterales und IPAs erfahren eine starke Nachfrage, Barley Wines und Milk Stouts lohnen durchaus, einmal verkostet zu werden.

Bei den Arbeiten zum Bier-Kapitel in „Berlin schenkt ein“ hatte ich selber mein Aha-Erlebnis zum Thema Bier. Ich stellte fest, wie hoch wir in Deutschland das Reinheitsgebot betonen und Bier als Nationalgetränk lobpreisen (ein Antrag auf Eintrag als Weltkulturerbe läuft derzeit), aber wie wenig wir wirklich darüber wissen und wie belanglos und gleichgültig es oft bestellt wird.

Dazu kam die frustriende Erkenntnis, dass im Land des Reinheitsgebotes Weiterlesen

Köstliche Flaschenpost – Thomas Henry

Holunder regt seit fünf oder sechs Jahren vermehrt die Fantasie von Barkeepern und Getränkemachern an. Der Holunderlikör St. Germain und der quirlige Mixologe Simon Difford sind daran nicht ganz unschuldig. Ich freue mich darüber sehr, gefällt mir doch diese blumig-krautige Note mit ihrer subtilen Süße.

Thomas Henry mit Brief und Siegel

Viel zu selten wird eine Variante des Old Fashioned angeboten, die Simon 2006 kreierte, die ich erstmals im New Yorker Please Don´t Tell probierte und mich sofort begeisterte: Der Elder Fashioned mit Bourbon (Gerne den Wild Turkey Rare Breed oder Knobs Creek, also etwas höherprozentiger), St. Germain und Orange Bitters.

Nun erreichte mich eine Flaschenpost, bei der bereits das Auspacken ein sinnliches Erlebnis darstellte. Der Absender hieß Thomas Henry. Nun starb der Chemiker und Apotheker Thomas Henry bereits im Jahre 1816, was aber nicht anregen soll, auf die Langsamkeit der Schnecken Post zu schimpfen. Nein, die Sendung war hochaktuell und stammte von den Brausebastlern der Elixierschmiede, die sich traditionsbewusst den Namen des Mannes gab, der 1773 als erster schaffte, Wasser mit Kohlensäure herzustellen.

Wie macht doch auspacken Freude. Zwei Flaschen des neuen Produktes wurden Aufopferungsvoller Selbstversuchvertrauensvoll in meine Hände gegeben: Das Thomas Henry Elderflower Tonic. Zunächst gilt es, ein Siegel auf dem edlen Pergament zu brechen, um die beiliegende Botschaft zu vernehmen. Weiterlesen

Betrüger schicken Eichi in Rente

Ein Schreiben flattert ins Haus und verkündet bevorstehenden Reichtum in Höhe von 1052,20 Euro. Gewinnspielgutschriften und Preisgewinne haben sich angesammelt und sollen mir nun gemäß § 661 a BGB feierlich übergeben werden.

Seriös klingt der Absender, eine Niedersächsische Treuhand mit ihrer wohlmeinenden Finanzverwalterin Karin Ludwig. Ein Treuhandtravelkonto „B-Kompakt“ bei der NT Bank in 49649 Stapelfeld soll hoch- und scheinheilige Ernsthaftigkeit belegen. Da ich ein Buch über Kriminalfälle geschrieben habe, sind mir Bauernfängertricks dieser Art nicht unbekannt. Enttarnende Informationen zu den Praktiken dieser fragwürdigen Gewinnspielbenachrichtiger finden sich glücklicherweise zuhauf, wie beispeilsweise bei der Niedersächsischen Verbraucherzentrale.

Ein wenig Recherche bringt es dann rasch ans Licht: Die Gewinnsumme ist stets die gleiche. Man darf Freunde und Partner mitbringen, Busse bringen uns zu der Zweigstelle der „Treuhand“ in der Nähe des Wohnortes. Das Amt der Ortschaft Siek, nordöstlich von Hamburg, hat etliche Materialien zu den Einladungen der Niedersächsischen Treuhand gesammelt und sehr sinnvoll präsentiert. Offensichtlich ist die Unseriösität eines Unternehmens, welches lediglich unter einer Postfachadresse firmiert.

In allen der Warnungen ist zu erkennen, dass es sich bei den leeren Versprechungen Weiterlesen

Glück ist wieder einmal Facil

Unter den Spitzenrestaurants der Hauptstadt bleibt (neben Tim Raue) das Facil mein absoluter Favorit.

Diese Woche trat dieses Restaurant wieder einmal den Beweis dazu an, was auch nötig war, denn kürzlich wurde ich allen Ernstes abgewiesen. Unglück.

Meine Tätigkeit als Reiseleiter zwingt mich unfreiwillig dazu, mit Reisegruppen Lokalitäten aufzusuchen, die der Reiseveranstalter gebucht hat. Oft handelt es sich dabei um Orte der Abspeisung, nicht des Genusses. Manchmal nutze ich auf arrogante und snobistische Art und Weise die Mittagspause, um mich erlaubt/unerlaubt von der (Reise-)Truppe zu entfernen, um anderenorts eine vernünftige Mahlzeit einzunehmen, was zuweilen durchaus eine gut belegte Stulle bedeuten kann. Neulich jedenfalls parkte ich meine Busladung in einem der mittelmäßig inspirierten Speiselokale unter dem Dach der Sony Kuppel am Potsdamer Platz, um mich flugs ins Daimler-Areal in mein Lieblingslokal Facil zu flüchten. Ernüchternd und frustrierend musste ich zur Kenntnis nehmen, dass selbiger Ort der kulinarischen Erfüllung ausgebucht war und kein Platz mehr für den Eichi frei blieb.

Unwirsch trabte ich von hinnen, um mich unauffällig wieder der Gruppe anzuschliessen und doch noch fade Putenbrust mit Wokgemüse zu konsumieren. Grimmig schwor ich, wiederzukommen und eine weitere Abweisung nicht gelten zu lassen.

Reservieren hilft. Ich erhielt den begehrten Einlass. Und zudem wieder ein famoses Mahl, an dem ich noch heute genussvoll erinnernd  nachschmecke. Hoffentlich bekommt Michael Kempf in diesem Jahr nicht den zweiten Michelin-Stern. In meinem Herzen (vielmehr an meinem Gaumen und in meinem Magen) hat er ihn bereits seit Längerem, nur, dann wird es noch schwieriger, einen Tisch zu ergattern.

Jedenfalls durfte ich in der vergangenen Woche wieder einkehren und stöhne noch jetzt lustvoll, zurückerinnernd an die Ver- und Umsorgung in den wundervollen, leicht-eleganten Räumlichkeiten in der fünften Etage des Mandala-Hotels. Jetzt aber zur Sache:

1. Eine Vorspeise von Spitzkohl, Kümmel und Sieglinde. Regional, saisonal, köstlich!

2. Letchorisotto mit Kalbshaxe, Fenchel und Calamaretti. Genial. Ein perfektes süsse-säure Spiel über den Paprika im Risotto. Eine aromatische Schwere der Haxe duelliert sich mit der Salzigkeit der Calamar, die auf den Punkt gegart sind. Ein Reiscrisp mit trockener Tintenfischaromatik rundet das ganze ab und bereichert das insgesamt verblüffend-köstliche Mundgefühl.

Weiter ging es mit Bauer Beutes Wollschweinbauch mit Weiterlesen