Tröstlicher Tropfen (3) zum Freedom Park

Geliebtes Berlin, du Dorf voller großstädtischer Peinlichkeit. Heute ist es wieder einmal die Zukunft, wo nicht nur Sand im Getriebe bremst, nein, das Getriebe des neuen Flughafens hat komplett “püff” gemacht. “Be Berlin” bedeutet “Schöner Scheitern”. Die Pausenglocke hat geläutet, der Flughafen öffnet nun erst nach den Sommerferien…

Sonst ist es oft der Umgang mit Erinnerung, mit Vergangenheit, bei der der sich die Stadt und/oder ihre Bezirke blamieren. Ausstellungskonzepte, Straßennamen, Fürsorge über historische Grabanlagen, Kurfürstendamm-Bühnen, Teufelsberg, Palast der Republik, Schlossplatz, Kaiserzeit, NS-Zeit, DDR-Zeit. Ich lehne mich sicher nicht sehr weit aus dem Fenster, wenn ich im Oktober eine bemerkenswert lächerliche Jubiläumsveranstaltung erwarte, die das 775-jährige Stadtjubiläum begleitet. Immerhin die erste Feierlichkeit dieser Art in der wiedervereinten Hauptstadt.

Die Geschichte der geteilten Stadt im Kalten Krieg beschäftigt, interessiert und fasziniert nach wie vor zahllose Menschen. Selbst die Generation, die die Mauer nie im Alltag der Stadt erlebt hat ist wissbegierig, wenn es um das Leben in der geteilten Stadt geht. Auf meinen Stadtführungen gehen viele von Ihnen mit mir auf Spurensuche. Sei es an der Bernauer Straße, in der Luisenstadt, an der East Side Gallery oder in Stadtmitte zwischen Reichstag, Potsdamer Platz und Checkpoint Charlie.

An letzterem stößt man täglich auf hoffnungfrohe Ströme internationaler Stadterkundung. Die ganze Welt kennt diesen Grenzübergang, an dem so manche Mal der Kalte Krieg an der Schwelle zum heißen Krieg war. Zu sehen ist ja nicht mehr viel. Eine Minihütte, die als Kontorollhäuschen verkauft wird. Davor posieren Schauspielschüler in alliierten Uniformen, fliegende Händler verkaufen angebliche Mauerstücke und ein völlig überlaufenes und didaktisch zu hinterfragendes Privatmuseum erwarte die Besucher immerhin mit anschaulichen Geschichten aus jener bewegten Epoche.

Seit Ostern ist es nun soweit. Die zwei immer wieder umstrittenen leeren Gelände beiderseits der Friedrichstraße erhalten eine neue Nutzung. Die östliche Seite zimmerte einige Bretter an eine Art Strandbar und zeigt Bildmotive des Checkpoints. Nicht viel, nicht beeindruckend, nicht konzeptvoll, aber immerhin besser als nix. Man wird ja dankbar und gnädig zufriedenzustellen, inmitten Tristesse und Armseligkeit. Auf der westlichen Seite kommt es noch besser: “Freedom Park” nennt der Betreiber sein zukunftsweisendes Konzept von. “Zeitgemäß, attraktiv, zum verweilen…” Imbissbuden.

Wo sich Aug in Aug die sowjetischen und US-amerikanischen Panzer so manches Mal gegenüber standen, stehen sich nun Döner Kebap und Asia Box gegenüber. Historisch relevant messen sich Bubble Tea und Mango Lassi. “Checkpoint Curry” steht an einer Bude des Snackpoint Charlie.

Kaum ist das Kind in den Brunnen gefallen und die ersten Medien berichten mit angemessener Verwunderung und Empörung, so regt sich gleich auch verschnarchtes Entsetzen und planloser Aktionismus bei den politischen Akteuren im Bezirk. Schon wird von fehlenden Baugenehmigungen und illegalen Konstruktionen gefaselt. Lautes Flüstern munkelt, wie bereits des Öfteren, von obskuren irischen Investoren, die selbstverständlich im Dunkeln bleiben, aber unbedingt eine Grundstücksauktion durchführen werden. Oder auch nicht. Die übliche Mischung aus Strohfeuer und Ablenkungsmanöver.

Gut, ich will nicht so weit gehen zu behaupten, der Aufschub der Flughafeneröffnung soll von den unwürdigen Entwicklungen am Checkpoint ablenken.

Ein tröstliche Tropfen ist aber diesbezüglich dringend von Nöten, daher greife ich heute zu fliegenden Hunden und wütenden Schlampen von der westliche Seite des eisernen Vorhangs. Ich trinke von der sehr aufregenden Flying Dog Brewery aus Maryland, USA, einRaging Bitch Belgian-Style India Pale Ale.

Die Brauerei begeistert mit einer bunten Mischung aus internationalen Bierstilen und hierzulande ungewöhnlichen comicartigen Etiketten, wie sie in USA aber relativ oft die junge und engagierte Craft Beer Szene begleiten. Das Bier entwickelt eine zunächst recht zurückhaltende Nase mit einem leichten Anflug von Grapefruit. Ein stabiler Schaum krönt das rötliche Bier, das die Zunge mit einer erfrischenden Säure stimuliert, der mit einer komplexen Fruchtsüße durchzogen ist, bei der Pfirsich erneut auf Grapefruit trifft. Ein hopfiger und trockener Nachhall machen unmittelbar lust auf den nächsten Schluck. 60 Bittereinheit und eine alkoholstärke von 8,3 % Vol. Alc. erscheinen dem Anlass angemessen.

http://flyingdogales.com

Der Tag des deutschen Bieres 2012

Der 23. April soll als besonderer Tag begangen werden. An diesem Tage im Jahre 1516 wurde jenes Gesetz ausgerufen, welches heute als Reinheitsgebot die Bierherstellung beeinflusst.

Grundsätzlich müsste es ein Tag sein, an dem Brauereien und Gastronomen alles dransetzen müssten, um Ihre Kunden und Gäste von Geschmack und Wertigkeit bundesdeutscher Brauware zu überzeugen. Hierzu fordert der Deutsche Brauer Bund e.V. auf. Und ich auch.

Was erwartet die Bierdurstigen an diesem Feiertag in der Hauptstadt? Wer nutzt die Gelegenheit? Wer huldigt dem Gerstensaft angemessen? Wer tritt den Beweis an, dass deutsches Bier mit den aromatischen und komplexen Erzeugnissen beispielsweise aus USA, Dänemark und Italien mithalten kann. (Schweig, oh tumber Bierbauch mit Deinem Sternenburg in der Kralle, denn Du hast keine Ahnung, was diese Biernationen in den vergangenen Jahren geleistet haben, in denen Du “Schlaaaand” gröltest und für deine Bierflasche nicht mehr als 20 Cent ausgeben wolltest und Deine Mischpoke denkt, in Bier gehört Cranberry, Limette und Birne. Schweig!)

Also, was geht in Berlin?

  • Das Brauhaus Spandau führt durch das Brauhaus und schenkt Biere zu Sonderpreisen aus.
  • Im Prenzlauer Berg gibt das Lichtblick Kino das Motto aus: “Prost Marie” und zeigt um 22 Uhr ein kleines Kurzfilmfestival mit 12 Filmen aus Anlass des besonderen Tages. Jeder Gast erhält ein Freibier, wofür Jever gedankt sei.
  • Diverse Wirte polieren ihre Spassschilder mit der Aufschrift “Freibier gibt´s morgen”.

Ein bisserl wenig für die Hauptstadt, gell? Wer kennt weitere Aktionen und Bierhappenings zum Tage? Sind die Craft Brewer alle nur mit ihrem neuen Maibock beschäftigt? Wo sind die Kindl, Schulheiss und Engelhardt, wenn man sie mal braucht?

Zugleich ist heute ja auch noch der Welttag des Buches. Auch darauf ließe sich prächtig mit Bier anstoßen. Aber ich lasse mich nicht unterkriegen. Ich feiere doppelt, schließlich habe ich ja ein Buch über Bier geschrieben. Vorsichtshalber stehen daher im Kühlschrank einige Biere kalt, die mich während der aufopferungsvollen Recherche zu “Von Ale bis Zwickel – Das ABC des Bieres” sehr begeistert haben:

Daneben hat auch das Fritzale India Pale Ale von Fritz Wülfing aus Bonn einen festen Platz in meinem Kühlschrank (und dann natürlich im Glase).

So, und jetzt: Hoch die Krüge und nicht vergessen: Bier ist ein Genussmittel!

Seepferdchen Crusta?

Es ist dringend an der Zeit, den Brandy Crusta wieder zu entdecken. Von all zu vielen Drink-Menus verschwand die Gattung der Crustas und generell führen Brandy, Weinbrand und Cognac oftmals leider ein Schattendasein am Bartresen.

Ein prominenter Brandy Crusta Trinker war der Dichter Joachim Ringelnatz. Ein wundervolles Foto zeigt ihn vor dem Glas mit dem Zuckerrand, selig lächelnd. Und das, obwohl er eigentlich einen Gedichtband herausgeben wollte, dessen Tinte mit Rum vermengt ist. Aus seiner Stammkneipe in Berlin, der Westend Klause, sind bemerkenswerte Bestellungen von Aquavit verbürgt. Der durstige Dichter selbst erklärte:

„Bernhardiner ist das letzte, was ich sein möchte. Dauernd die Flasche am Hals, und niemals trinken dürfen!“

Hans Bötticher hiess der Dichter im wirklichen Leben, der seinen Künstlernamen ausgerechnet nach einem Seepferdchen wählte. So verrückt, verwegen und voller Leidenschaft waren sie nun einmal, die 1920er Jahre, in denen Ringelnatz dichtete:

Ein männlicher Briefmark erlebte
Was Schönes, bevor er klebte.
Er war von einer Prinzessin beleckt.
Da war die Liebe in ihm geweckt.

Er wollte sie wiederküssen,
Da hat er verreisen müssen.
So liebte er sie vergebens.
Das ist die Tragik des Lebens.

Ringelnatz würde es gefallen zu wissen, dass am 16. April in Berlin der Brandy Crusta ein Revival begeht. Ganz in der Aura der 20er Jahre mit Gigolos und leichten Mädchen, mit Federboa und Foxtrott, mit Roulette und Rührlöffel. Die elegante Riva Bar nahe dem Hackeschen Markt verwandelt sich für diesen Anlass in einen mondänen Salon mit Zylinder und Zigarettenspitze mit Croupier und vor allem: Crusta!

Asbach sei Dank, denn die Marke sorgt sich um ein angemessenes Revival. Der Weinbrand ebenjener Epoche, der bis heute jeden Brandy Drink veredelt (vor allem mit dem bemerkenswerten 8-jährigen).

Strömt herbei, ihr Durstigen. Mit entsprechender Garderobe, fragwürdigem Benimm und der Bereitschaft, einen Charleston aufs Parkett zu legen.

Das Belecken eines Briefmark ist nicht notwendig, eine E-Postille ist vollends ausreichend, um die eigene Ankömmnis kund zu tun (an: laura@barworkz.de)

Und dann ab in die Riva Bar

Info auf facebook

Currywurst und Molle reloaded. Das Meisterstück am Hausvogteiplatz

“Bitte ein Bier!” Diese undifferenzierte Bestellung wird im frisch eröfneteten Restaurant Das Meisterstück glücklicherweise nicht allzu oft zu hören sein.

Schneider Tap X Nelson SauvinIn den Räumlichkeiten am Hausvogteiplatz, die zuletzt die Ausstellung des Fördervereins Stadtschloss beherbergte, hat das alte Preußen ausgedient und wird ersetzt durch das Konzept: Brot & Strich, Brat & Wurst, Craft & Bier. Ausgewählte Meister ihres Fachs liefern die Produkte für Teller, Glas und Wand. Eben Brot, Wurst, Bier und Kuckucksuhr.

Eine originelle und zugleich Bodenständige Auswahl der Speisen ergänzt eine eigene Bierkarte, die ca. 70 besondere Biere aus aller Welt listet. Den Kern des Bierangebotes stellt das Sortiment von Braufactum, die in Deutschland einige spannende Biere selbst herstellen und aus Italien, USA, Belgien und Großbritannien importieren. Dazu gesellen sich weitere Exklusive Gerstensäfte, wie belgische Klosterbiere oder das bemerkenswerte Fritz Ale aus Bonn, aber auch besondere hauptstädtische Kreationen von Brewbaker aus Moabit.

Die Gestaltung der Räumlichkeiten verdient Beachtung. Das Restaurant ist sehr groß und dennoch gelang eine hübsche Aufteilung, die einen hallenartigen Groß-Charakter vermeidet und das Verweilen in verschiedenen Nischen und Atmosphären ermöglicht. Auf augenzwinkernde Weise spielt die Möblierung mit teutonischen Produkten und der unvermeidlichen Gemütlichkeit. Aber mit einer Prise Ironie. Überall verteilt ticken knapp 40 Kuckucksuhren in altväterlichem oder megamodernem Design. Gerissene Streifen klassischer Tapeten gehen ineinander über, klassische Stühle, modern gefertigt, umgeben holzgescheuerte Tische. Ein wenig über das Ziel hinausgeschossen sind die Gestalter mit diversen Foto-Tapeten. Eine grelle optische Imitation einer Amboss-Scheune brennt irgendwann im Auge. Und das Bild des Braumeisters über dem Tresen hätte etwas dezenter Ausfallen können. Hei-mat meets High-tech im Interior Design

Alle Speisen, die in der Auslage liegen oder in der offenen Grillstation zubereitet werden, wirken ansprechend und appetitlich. Die tägliche, durchgehende Öffnungszeit von 10 bis 01 Uhr, ermöglicht Sättigung und Genuss vom Mittagstisch zum abendbrot, oder eine rasche Käsekrainer oder Currywurst für zwischendurch.

Besonders bei der Currywurst tritt die Weiterlesen

Drayton – Die Bar mit den Schirmchen

This is not a Pina Colada

This is not a Pina Colada

Es ist eine Weile her, dass ich mit einem Cocktail in der Hand gesehen wurde, den ein kleines Schirmchen ziert. Tatsächlich sind Saft-Sirup-lastige Blumenpötte, die sich Cocktail nennen, nicht meine erste Wahl.

In der Drayton Bar wird sich dieser Anblick demnächst öfters wiederholen. Dieser Schirmchen-Drink begeistert: “This is not a Pina Colada” lautet der Name des Drinks mit dem leicht ironischen touch. Der Schirm steckt in der Schaumhaube, unter der sich ein aromatischer karibischer Rum mit den entsprechenden Zutaten verbirgt. Der Schaum hat es in sich und überrascht nicht nur mit dezentem Kokosaroma, sondern auch mit weißer Schokolade und kleinen, crunchigen Ananaschips darauf. Diese Sahne zu löffeln oder durch sie hindurch an den Rum zu gelangen ist großartig. Jeder Schluck ist neu. Mundgefühl, Textur, Dosierung Rum und Schaum. Jeder Schluck ist anders. So macht es Freude, sich mit einem Drink zu beschäftigen.

Zuletzt wurde der Cuisine-Style. mit frischen Kräutern und weiteren Küchenelementen, bei Mixologen leider in seiner Vielfalt vernachlässigt. Barchef Christian Gentemann ändert dies auf sehr gelungene Art und Weise. Die sorgfältig ausgesuchten Drinks der Karte (knapp 20 dürften es sein), enthalten spannende Zutaten, wie Agaven-Lavendelsirup, Mandarinen-Zitronengras-Püree und hausgemachten Earl Grey Gin. Gut, hinter der Bar verbirgt sich mit dem vegetarischen Restaurant Cookies Cream, eines der spannendsten Menüs der Stadt, wo Küchenchef Stefan Hentschel sicherlich seinen Anteil beiträgt, einen kreativen Austausch zwischen Küche und Bartresen zu pflegen.

Ehe? Womöglich die Abkürzung für errare humanum est!?

Ehe? Womöglich die Abkürzung für errare humanum est!?

Der Raum ist gerade völlig umgerempelt worden. Wir befinden uns in einem der bekanntesten Clubs der Stadt, Cookies. Gerade nach Umbauarbeiten frisch wiedereröffnet, erkennt man kaum etwas wieder, denn es wurde eine Zwischenetage eingezogen, in der sich die Bar befindet und auf der an den Club-Tagen (Di/Do/Sa) am späteren Abend der Vorhang Weiterlesen

Zweiter Blick im Tabakladen – Whisky in Kreuzberg

Auf den ersten Blick ein kieziger, kauziger Tabakladen. Mit den Gauloises gibt es einen nachbarschaftlichen Kreuzberg-Plausch (Wetter, Krankheiten, 1. Mai, Döner, Currywurst, Schönefeld). So vollzieht sich der bewährte Kreuzberg-Kiez-Rythmus in einer der Seitenstraßen der belebten Wiener Straße.
Bis, ja bis der erste seriöse Whiskyinteressent des Weges kommt. Der Chef wird alert und kümmert sich begeistert um die -am liebsten schottischen- Belange. Der Azubi verrichtet derweil die Tabakdienste.
Ein wandelndes Whiskylexikon im Heavy-Metal-Look wird Sie hier beraten und es ist nicht unwahrscheinlich, dass Sie mit mindestens einer Flasche mehr den Laden verlassen, als Sie eigentlich beabsichtigt hatten.

Kreuz Berg WhiskyDie Auswahl ist riesig, weitaus mehr als das, was man auf den ersten Blick im Ladenlokal wahr nimmt. Zahlreiche Raritäten sind verfügbar und stets blüht eine freudige Überraschung, wenn der Meister eine Idee hat, in den hinteren Katakomben verschwindet, um mit einer ganz besonderen Flasche zurückzukehren. Weniger Rares ist in der Regel sehr fair bepreist. Das Sortiment Weiterlesen

Der Morgen nach der Nacht zuvor…schreit nach Bloody Mary!

Tomatensaft schmeckt nicht nur im Flugzeug gut. Auf dem Boden sollte man allerdings etwas Alkohol beimengen.

Der so gefüllte Kelch geht dann zum Brunnen, bis er bricht? Nun gut, jedenfalls geht es auf in die Brunnenstraße in Berlin Mitte.

I go back to red

Zumindest immer dann, wenn zwei positiv verrückte Bartender ihre abgefahren schmackhafte Pop-Up-Bar dort installieren und sich als Meister der Improvisation der Köstlichkeit betätigen.

Zwei Mal bereits galt das Motto dem zweitwichtigsten aller Hangover Drinks, der Bloody Mary. (Eine Prairie-Oyster-Party würde vermutlich nicht so ideal funktionieren.) Tomatensaft, Gewürze (Worcester, Tabasco, Salz, Pfeffer, u.ä.), ach ja: und Vodka. Im Ausschank: Diverse Variationen der Blutigen Marie (beispielsweise mit Mezcal), ansonsten Champagner. Das essenstechnsiche Begleitprogramm wechselte und enthielt beispielsweise Austern, Hummer und bei der Premiere einen wirklich hervorragenden Braten. Der Künstler am Hummer-Topf im Februar verdient allerhöchste Anerkennung. Perfekt gegart, butterzart und von höchster Qualität. So bekommen wir Hummer in der Hauptstadt ganz selten auf die Teller.

Ladies in red

Und wie passend doch eine Bloody Mary dazu funktioniert. Gerne auch in der Gin Variante mit Tanqueray, dem Red Snapper.

Die Erfindung des Drinks ist nicht ganz geklärt, wobei die meisten Quellen ihn auf Weiterlesen

Zucker und Ameisen in Barcelona – Espaisucre

Auszeit vom Gin Tonic. In Barcelona regiert die Wacholderschorle. Gin & Tonic an jeder Ecke und in jeder Hand. Zuweilen unterirdisch gemischt. Eine Auszeit ist nötig. Her mit Wein und Schokolade.

Was macht man nach dem Essen? Man geht essen! Allzu oft findet man auf der Welt wohl nicht ein Restaurant, das ausschliesslich auf Dessert ausgerichtet ist. Die Ameise im Logo des Restaurants Espaisucre verweist auf jenes Insekt, welches zielsicher den Pfad zum Zucker findet. Ameisengleich fand ich mich im lässigen Stadtviertel Born in jenem Restaurant wieder, welches den süssen Gaumen stimulieren mag.

Das große Dessert Menü ist fällig. Fünf Gänge kosten 45.- Euro. Die Weinbegleitung dazu ist mit fairen 16.- sehr attraktiv bepreist. Skeptisch kam ich in das Lokal und hätte nie erwartet, dass fünf Gänge Nachtisch mich derart begeistern könnten. Aber so war´s. Ein heller, schlicht-moderner Raum mit Naturholz, Designlampen und Metallregalen empfängt den Besucher. Wie überall in dieser Stadt muss man selber zusehen, wo man seine Garderobe unterbringt. Es war der erste Abend. Unakklimatisiert stand ich erwartungsfroh mit dem Mantel in der Hand herum, bevor mir eine Kopfbewegung des freundlichen Kellners den Weg zu einem Kleiderbügel bedeutete. Aufwachen Eichi, es ist die Stadt mit viel Gin Tonic, aber wenig Kleiderhaken und null Klamottenservice!

Wenn ich nun also vortrage, das Restaurant hat keinen Haken, so mag das zweifach verstanden werden. Das Essen war jedenfalls ein Erlebnis. Abwechslungsreich, originell und köstlich. Dazu ausgewählte Weine, mal süß, mal trocken.

Ich vermag nur Stichpunkte und die passenden Bilder vorzutragen. Für den Rest muss die Fantasie des Gaumens herhalten. Den Auftakt machte eine Kombination von Apfel-Sorbet, Calvados, Sellerie und Essig. Säure, Kälte und das Gelee stimulieren den Gaumen mit verblüffenden Texturen. Großartig, wie der Essig funktioniert.

Es folgt ein Olivenkuchen mit Zweierlei vom Pfirsich auf Olivenkaramell. Dazu eine Oliven- und eine Schimmelkäsecreme. Wieder machen Temperaturen und Konsistenzen jeden Happen zu einem Erlebnis für die Zunge.

Danach kommt ein Sobao Süßbrot mit Basilikum, Limette und Weiterlesen

Gerolsteiner Restaurant-Bestenliste 2012

Wenn es etwas zu feiern gibt, dann stossen wir an mit…Wasser? Warum eigentlich nicht. Perlage hätten wir jedenfalls. Und wer schon einmal die Gelegenheit hatte, einer kompetent moderierten Wasserverkostung beizuwohnen, weiss um die durchaus vorhandene aromatische Vielfalt.

Daher gilt für jedes gute Restaurant, neben einer sorgfältigen Auswahl an Aperitifs, Weinen, Digestifs oder Kaffee, ein wohlgewähltes Wasser auszuschenken. Umgekehrt kümmern sich die Wasserhersteller um die Befindlichkeiten der Restaurants. Allen voran macht S. Pellegrino alljährlich internationale Furore mit den “World´s Best 50 Restaurants”, dem über Jahre hinweg Ferran Adriàs El Bulli seinen Titel des besten Restaurants der Welt verdankte. Diesen Titel hält mittlerweile das Restaurant Noma in Kopenhagen im Pellegrino-Ranking inne.

Aber wer braucht schon Pellegrino, wenn er Gerolsteiner Mineralwasser hat. Der Brunnen in der rheinand-pfälzischen Vulkaneifel trägt den Stern im Logo, blickt auf Sterneküche und beschert dem kulinarischen Genussvolk der Republik nun gemeinsam mit der Zeitschrift Sternklasse eine Restaurant-Liste der besonderen Art.

Knapp 5.000 Restaurants in Deutschland knöpften sich die Gerolsteiner vor. Allerdings nicht, um einen weiteren Restaurant-Führer auszuarbeiten, sondern, um die wichtigsten Gourmet-Guides zu analysieren und für ein übergreifendes Ranking auszuwerten.

Die Vorgehensweise dabei, empfinde ich als überaus klug und fair. Die Bewertungssysteme von Sternen über Hauben zu Punkten wurde in ein Punktesystem umberechnet. Danach, und das ist ein bemerkenswerter Schritt, wurden die Gastronomen befragt, welche Bedeutung die einzelnen Gourmet-Führer für sie besitzen. Daraus entstand ein Faktor, mit dem die Bewertungsnote des jeweiligen Führers verrechnet wurde. Folgende Guides sind in das Verfahren einbezogen:

  1. Guide Michelin
  2. Feinschmecker Guide
  3. Gault Millau
  4. Varta Führer
  5. Schlemmer Atlas
  6. Gusto
  7. Der große Restaurant & Hotel Guide
  8. Marcellino´s

Die Wichtigsten, der in den acht Fundgruben der kulinarischen Erkenntnis enthaltenen Restaurants, werden berücksichtigt. Das sind zwar insgesamt nur 3% der 170.000 Gastronomie-Betriebe im Lande, aber immerhin 4.835 für die Gerlosteiner Expertise. Das Resultat läßt sich sehen und rückt die Ergebnisse der unterschiedlichen anderen Guides nochmals in eine gänzlich neue Relation zueinander.

Die Top 3 der Gerolsteiner Bestenliste überraschen wohl kaum. Platz 1 im Lande ist die Weiterlesen

Raines Law Room – Speakeasy wird niemals langweilig

Gesetzlich gerechtfertigter genialer Getränkegenuss. Die womöglich schönste Bar in New York. Einmalig ist sie allemal.

Ich bin gerade ganz glücklich, denn ich fand eine verschollene Foto-Speicherkarte wieder, die etliche Erinnerungen und Geschichten in sich trug, die ich verloren glaubte. Darunter einige Impressionen meiner letzen New York Reise, von denen ich mir erlauben werde, einige im Blog wiederzugeben, auch wenn die Tour bereits einige Monate zurückliegt.

Das Raines Gesetz von 1896 war eines der zahlreichen “Blue Law” genannten Gesetze, welche von der Abstinenzlerbewegung in die Prohibition mündete. Die New Yorker Raines Law verbot den Ausschank alkoholischer Getränke an Sonntagen, was auf verständliches Murren bei der arbeitenden Bevölkerung stieß, war doch oft der Sonntag der einzig freie Tag, um sich Unternehmungen und Drinks zu gestatten. Viele Gesetze bieten ein Schlupfloch und dabei machte auch die Raines Law keine Ausnahme. Der Sonntagsausschank war weiterhin gestattet für Hotels mit mindestens 10 Zimmern, wenn sie ihren Gästen Essen servierten. Zahllose neue “Hotels” wurden daraufhin angemeldet (gleichzeitig war ein enormer Anstieg der Prostitution zu verzeichnen), wo zuvor Schankstuben bewirteten. Das Essen war zweitrangig und so sind Berichte überliefert von sogenannten “Brick-Sandwiches”. Attrappen, bei denen ein Stein zwischen zwei Brotscheiben lag. Dumm, wenn jemand hineinbiss, aber gültig, wenn eine Razzia kam.

Diese Bar, Raines Law Room, in Chelsea, nicht weit vom Union Square, greift nicht nur den Namen auf, sondern die Historie als quasi Gesamtkunstwerk. Um Einlass zu finden, muss man klingeln und eine Reservierung zuvor ist auch kein Fehler. Die Stufen in das Souterrain führen gleichsam auf eine Zeitreise. Kaum ein Detail blieb unbeachtet. Eine altmodisch wirkende Tapete, nackte Backsteinwände mit Jazz-Motiven, Lampen, Gläser, Bekleidung des Personals – soweit noch nichts wahrlich Ungewöhnliches. Es sind die diskreten Details, die faszinieren. Wird Sevice gewünscht, so Weiterlesen