Küchenparty im Fischers Fritz

Es gibt eigentlich immer einen Grund für eine Party. Beispielsweise Tradition. Traditionell feiert das Team vom Fischers Fritz mit seinem Chefkoch Christian Lohse Anfang November eine Küchenparty, bei der es ein klein wenig unkonventioneller zugehen darf, als sonst im alltäglichen Geschehen eines Zwei-Sterne-Restaurants.

Alljährlich werden Küchenmeister ins Hotel Regent gebeten, die ein Gericht zur Feier beitragen, dazu kommen Winzer, die einen ihrer Weine passend zum jeweiligen Gericht abstimmen. Die Gäste der Veranstaltung bekommen eine Schürze ausgehändigt, dürfen dann die Küche stürmen und sich an den

Die eigentlich heiligen Hallen

Die eigentlich heiligen Hallen

verschiedenen Stationen Teller mit Köstlichkeiten erobern, um sie dann genussvoll zu verzehren, nicht ohne vorher festzustellen, dass eine dritte Hand für das Weinglas sehr sinnvoll wäre. So wird balanciert, durchgeschlängelt, probiert, geneckt und genossen. Zuweilen erweist sich im Gewimmel die Schürze als durchaus sinnvolle Maßnahme.

Grund für eine Party kann ein Preis sein. Beispielsweise die Verleihung des Titels „Berliner Meisterkoch 2009″ an Christian Lohse. Sicher haben es sich die anwesenden Kochkollegen nicht nehmen lassen, zu einer weiteren Auszeichnung zu gratulieren. Aus Berlin haben Marco Müller von der Weinbar Rutz und Sonja Frühsammer aus Frühsammers Restaurant

Kulinarisches für Gaumen, AUgen und Nase....

Kulinarisches für Gaumen, AUgen und Nase....

mitgewirkt. Von Johann Lafers Stromburg war Martin Steiner herbei geeilt, Bernd Siener kam vom Bel Etage aus Marburg und Norbert Schu hatte in Hannover kurzzeitig Die Insel verlassen. Die angebotenen Bandbreite reichte von Jakobsmuschel bis Currywurst, von Käse bis Seezunge.

Grund für eine Party können die Sterne am Himmel sein.Die passenden Getränke brachten die anwesenden Winzer gleich mit. Bewährte Weingüter glänzten wie üblich, beispielsweise Wittmann und Dreissigacker aus Rheinhessen, Stodden von der Ahr oder Breuer und Josef Leitz aus dem Rheingau. Neuentdeckungen und Überraschungen wurden ebenfalls geboten. So konnten die Besucher einen sehr feinen Schaumwein aus Georgien kennen lernen, oder das elegante Cuveé „M“ vom Weingut Klumpp aus Bruchsal verkosten.

Nun gut, in diesen Tagen spricht die gastronomisch interessierte Welt von anderen Sternen in der Hauptstadt. Obwohl, eigentlich hatte das Verkünden der Sternerestaurants der 2010er Ausgabe des berühmt-berüchtigten roten Guide Michelin einen gewaltigen Hauch von Langeweile. Für manche überraschend war womöglich, dass Tim Raue keinen zweiten Stern erhielt oder eben das Christian Lohse noch auf den offiziellen dritten Stern warten muss.

Immerhin hat er seine zwei Sterne glanzvoll verteidigt und zahlreiche genussbegeisterte Stammgäste haben diesem fantasievollen und sympathischen Gaumengenie einen dritten Stern bereits virtuell vielfach aus vollem Herzen verliehen.

Obstauswahl Anno 2008. 2009 wurden zum Apfeljahr erkoren. Finanzkrise?

Obstauswahl Anno 2008. 2009 wurde zum Apfeljahr erkoren. Finanzkrise?

Wer braucht schon den Michelin. Seit im Jahre 2005 in der Benelux-Ausgabe ein Restaurant lobend besprochen wurde, welches zum Zeitpunkt des Erscheinens noch gar nicht eröffnet war, gab es durchaus ein klein wenig Unruhe bezüglich der kulinarischen Ratschläge der Reifenhersteller aus Clermont-Ferrand.

Grund für eine Party könnte demnach auch einfach ein neuer Satz Reifen sein. Diesmal vielleicht aus dem Hause Continental. Die sollen ja ziemlich Ahnung von Frühstück haben….

Fischers Fritz im The Regent Hotel, Charlottenstraße 49
10117 Berlin (Mitte)

www.fischersfritzberlin.com

Born to drink European

Sonnenuntergang über Berlin. Welchen wundervollen Ort wollen wir heute aufsuchen, um dem Szenario beizuwohnen? Lietzenseepark? Hoppetosse? Warschauer Brücke? Nein, heute soll es der Kreuzberg sein. Rasch noch eine Flasche Rotwein eingesteckt, damit es ein doppelter Genuss wird.

Belle Alliance - Mein Wein und ich

Belle Alliance - Mein Wein und ich

Oben angekommen zeigt sich schnell, diese Idee hatten außer uns nur ungefähr acht Dutzend andere Leute. Sie alle blicken romantisch seufzend gen Westen, allerdings nicht ohne vorher eine Flasche Wein, Bier, Limonade oder ein TetraPak mit gruseligem Inhalt – „Wein aus verschiedenen Europäischen Anbaugebieten“ – geöffnet zu haben.

Ab und an gesellen sich US-amerikanische Berlinbesucher dazu und erfahren so die getränketechnische Überlegenheit der alten Welt. Weil: Das ginge in USA so überhaupt gar nicht. Alkoholische Getränke in der Open-Air-Öffentlichkeit zu konsumieren ist dort ein Fall für den Staatsanwalt.

Beispiel New York. Neulich auf der Uferpromenade von Roosevelt Island. Ein cop  hat sich  bedrohlich vor einem älteren Mann aufgebaut, Hand an seinem Pistolenholster, breitbeinig. Wer ist der Mann? Mafia? Ein obszöner Entblößer? Ein Verwandter von Bin Laden? Nein, der eingeschüchterte Mitt-Sechziger entpuppt sich als niederländischer Tourist, der sich auf eine der Bänke am Ufer gesetzt hat – mit einer Dose BIER!

Wer nun meint, im Inneren von Lokalen wäre man sicher vor durstspezifischen Regularien, irrt. Vor allem am Sonntag Vormittag. Ganz New York geht heute zum traditionellen Brunch. Anders als bei uns hat Brunch dort nichts mit Buffet und all-you-can-eat zu tun, sondern ist im Wesentlichen ein ganz normales Frühstück, bei dem man lediglich länger in der Warteschlange vor dem Lokal verweilt, als zum essen darin. Nun haben die Amerikaner eine beneidenswert üppige Frühstückskultur (Eier auf 1001ne Art, Pancakes, Refill Coffee, Würstchen und Bacon, etc.) zu der sich originelle Variationen von Bloody Mary gesellen. Nur: Der Konsum derselben ist Sonntags vor 12 Uhr nicht gestattet. Es muß mein europäisches ich sein, welches ausgerechnet in New York, unbedingt jetzt, vor 12 Uhr,  eine Bloody Mary oder ein Glas Prosecco konsumieren möchte. Nix da!

Unglaublich unlustig rühre ich kurze Zeit später mit einer Selleriestange in einem Glas Tomatensaft herum. „Selbstverständlich können Sie gerne die alkoholfreie Version unseres Bloody Mary bestellen….“ verkündet der Kellner amerikanisch-heiter. Im Nachhinein kommt mir sein Lächeln ziemlich zynisch vor.

Beim Bummel durch einen Park in Brooklyn stoße ich auf weitere trinkrelevante Ermahnungen:

Kannte ich diesen Slogan nicht irgendwie anders?

Kannte ich diesen Slogan nicht irgendwie anders?

Und dann kam der Moment, an dem ich selbst so gerne zum Outlaw geworden wäre. Eichi Dillinger, der Eichinator oder Eichi the Kid. Sie alle hätten in diesem Moment gnadenlos ein Kellnerbesteck gezückt und ohne Mitleid die Weinflasche entkorkt. Brooklyn Heights, Sonnenuntergang, Uferpromenade und ein Blick auf die beleuchtete Skyline von Manhattan.

Doof: Poland Springs statt Napa Valley

Doof: Poland Springs statt Napa Valley

Wenn nicht hier und jetzt….aber da kommt schon der nächste Ordnungshüter mit entschlossenem Schritt und bedrohlicher Aura dahermarschiert. Ich verzichte feige aufs entkorken und sehne mich genau in diesem Moment zurück auf den Kreuzberg. Soooo unterlegen ist Berlin wohl doch nicht, im Vergleich zu NYC.

Und wenn es dann dunkel geworden ist am Kreuzberg, können wir gemächlich hinabsteigen und geraten getrost in eine gediegene Gaststätte zum gelassenen grübeln: Lieber einen geschmackvollen Gin Fizz im Galander, als gallige Güllebrühe in Guantanamo.

BCB – Bar Convent Berlin 2009 (Tag 1)

Großer Bahnhof in Berlin für die Bar- und Cocktailszene aus aller Welt. Der BCB ist im Vergleich zu den Vorjahren gewachsen.

Die Mixologen und Cocktailkundigen der Welt sind in den Berliner Postbahnhof geladen. Kein Wunder also, wenn erst einmal die Gesichtszüge entgleisen.

Der frühe Vogel.....trifft die Schlange

Der frühe Vogel.....trifft die Schlange

Eine lange Schlange bildete sich vor den Eingangstüren. Spekulationen über den Grund der Einlass-Verzögerung machten die Runde. „Wurden die Türsteher der Bar 25 angeheuert?“; „Ist das Eis geschmolzen?“; „Wird man wie am Flughafen auf gefährliche Flüssigkeiten untersucht?“ Jedenfalls sehr bedauerlich für die Referenten der ersten zwei Stunden der Messe, dass die die kommen wollten, nicht hinein konnten. „Da hätten wir ja noch ´ne Stunde mehr schlafen können, nach der Party in der Admirals Bar, letzte Nacht….!“ so der Tenor.

Endlich hineingelangt war dann ein reichliches Programmangebot vorhanden. Die Zeit reichte gar nicht, um alles zu beschnuppern.

Main Stage

Main Stage

Verkostungen, Diskussionen, Präsentationen, Produkt- vorstellungen, brillante Mix-Meister, Meeten und Greeten. Einige Fachleute waren der Meinung, noch weiter sollte der BCB nicht mehr wachsen. Andere äusserten die Meinung, das durchaus mehr Veranstaltungen auch in deutscher Sprache hätten abgehalten werden können. Ich persönlich habe Jürgen Deibel vermisst,  den ich für einen der brillantesten Moderatoren von Verkostungen und Spirituosenseminaren in unserem Sprachraum halte. Dafür gab es hervorragenden Besuch aus anderen Breiten- und Längengraden: Ian Burell, Phil Duff, Hidetsugo Ueno, Fred Noe und viele mehr.

Dave in seinem Element. Dabei entgeht ihm der freche Rum-Grabscher, rechts im Bild.

Dave in seinem Element. Dabei entgeht ihm der freche Rum-Grabscher, rechts im Bild.

Großartig die Verkostungen mit Dave Broom, dem Meister des Rum (mehr…)

Hausbesetzung in der Weinbar Rutz!

Diesen Ansturm an Menschen hat der Weinbeauftragte im Rutz, Billy Wagner, selbst heraufbeschworen. Sommeliers entern die Weinbar,

Bereit für die Hausbesetzung

Bereit für die Hausbesetzung

übernehmen das Ruder und erklären den anwesenden Winzern, wohin der Kurs führt. Dazu ein 5-Gang-Menü mit anschließender Bottle-Party.

Ich mag das Rutz sehr gerne. Natürlich wegen der guten Küche von Marco Müller und dem leger-entspannten Service, vor allem aber wegen der Philosophie im Umgang mit Wein. Er soll getrunken werden und eben nicht, wie an vielen anderen gastronomischen Orten, völlig überteuert im Keller zum Sammlerstück vertauben. Daher fiel meine Wahl bei den zahlreichen spannenden Veranstaltungen anlässlich der VDP Gutswein Berlin 2009 auf die Hausbesetzung. Selbige bescherte dem Gast des Rutz  am 4. September einen Abend mit Genuss, Widersprüchlichkeit und Verwirrung zu einem deftigen Preis. Selten habe ich einen Abend derart von nett auf grauenvoll umschwenken erlebt.

Amuse Klezmer

Amuse Klezmer

Entspannt ging es auf der Terrasse los, wo zu winzigen Häppchen Klezmer- Klänge spielten und ein Muskateller gereicht wurde, ebenso ein Trollinger-Cocktail, der von David Wiedemann aus der Reingold Bar zubereitet wurde.

Nun wurden die Plätze im Inneren eingenommen und die eigentliche Veranstaltung begann. Die Grundidee war großartig. Jeder Sommelier übernimmt eine Art Patenschaft über einen der anwesenden Winzer und stellt Person, Weingut, Philosophie und Wein vor. Am Tisch der Winzer zu sitzen, ermöglichte eine lustige Feldtudie, da man die amüsiert-verwirrten Reaktionen der

Herr Wittmann (weisses Hemd) lauscht

Herr Wittmann (weisses Hemd) lauscht

Weinmacher auf ihre „Laudatoren“ vorzüglich beobachten konnte. Eine Wonne an Esprit und Erzähltalent war Christina Fischer von Fischers Weingenuß und Tafelfreuden aus Köln, die zum Weingut Wittmann referierte, wobei Philipp Wittmann stirngerunzelt unmittelbar hinter ihr saß und lauschte.

Danach kam der Gang, der auf den jeweiligen Wein stets sehr schön abgestimmt war. Anfangs las sich die Abendbrot-Karte richtig toll: Terrine von gebratener Gänseleber, confierter Saibling und Kalbsbries, Bauch vom

Confierter Saibling & Kalbsbries

Confierter Saibling & Kalbsbries

Wollschwein mit Langostino, Dreierlei vom Weidekalb mit Blutwurststampf, Werderaner Bauernzwetschge und Tonkabohne. Leider stellte sich rasch heraus, dass die Gänge geschmacklich und optisch nicht nur lupenrein, sondern leider auch lupenklein auf den Tisch kamen. Zuweilen war es schier unmöglich, einen Bissen so aufzuteilen, dass man einen zweiten davon auf die Harmonie mit dem Wein zuverlässig

Mehr Text, weniger Portion: Bauch vom Wollschwein & Langostino, Steinpilze, Salzaster, Beurre Blanc

Mehr Text, weniger Portion: Bauch vom Wollschwein & Langostino, Steinpilze, Salzaster, Beurre Blanc

überprüfen konnte.

Die Kompensation von Hungergefühlen bei Kleinsportionen ist in der Regel die Aufgabe des Brotkorbes. Ich liebe gutes Brot und bin daher bei meinen Mitessern berüchtigt, für hemmungsloses wegfuttern desselben. Das Brot dieses Abends war dringend notwendig, zogen jedoch meine Mundwinkel steil hinab, da dreieinhalb der vier Sorten freudlos-fad schmeckten. Immerhin wurde eines der besten Olivenöle gereicht, welches mir in letzter Zeit begegnet sind: Dauro aus Spanien.

"WeKaBi"

"WeKaBi"

Wettertechnisch war der Abend bereits gekippt. Es goß in Strömen und machte den Aussenbereich unbegehbar für den Digestif-Cocktail. Marco Müller hatte gemeinsam mit David Wiedemann den molekularen „wekabi“ aus Wein, Kaffee und Birne kreiert. Eine helle sphärische Birne schwamm im geheimnisvollen Braun der beiden anderen Zutaten. Nicht jeder war begeistert, ich selbst fand die Kreation recht stimmig.

Auf, auf und hinab zur Bottle-Party. Schnell füllte sich der untere Saal. DJ-Station, Stempel am Eingang, erste Flaschen werden entkorkt. Vorfreude auf Plaudereien mit Winzern und Weinfreunden? Pustekuchen. P1000067Jetzt begann eine furchtbare Versammlung von teils grauenvollen Gestallten, die auf Wein-Flatrate-Saufen auf hohem Niveau aus waren. Egal ob in Basecap und Turnschuhen, Anzug oder Abendkleid. Mit glänzenden Gesichtern ging es gierig zum Tresen, um dort möglichst die teuerste Flasche abzugreifen und zu den mitgebrachten Gesellen zu tragen. Farbe, Nase, Geschmack, Abgang? Unsinn. Hau wech die Brühe.

Auch in der Gastronomie gilt die Gratwanderung, die der wunderbare Danny Kaye einmal wie folgt auf den Punkt brachte: „Wenn sich die Gäste wie zu Hause fühlen, benehmen sie sich leider auch so.“

Wir flohen. Entsetzt, einigermassen hungrig und um 139.- Euro ärmer. Tags drauf wurde mir berichtet, dass es so gegen zwei Uhr noch sehr nett geworden sein muss. Die Schluckspechte waren naturbedingt entsorgt und statt dessen kamen noch genußfreudige Winzer, Köche und Gastronomen herbei. Das merke ich mir für´s nächste Mal.

Weinbar Rutz, Chausseestraße 8, 10115 Berlin-Mitte

www.rutz-weinbar.de

www.vdp.de

Eichhorn/Götz: Berlin beisst sich durch

Martin Luther hat gesagt: „Iss, was gar ist, trink, was klar ist, red’ was wahr ist.“ Da lässt man sich doch gerne Missionieren.

Mir selbst steht natürlich geburtsbedingt die Weißwurst näher als die Weisheit, dennoch wollte ich gerne die Anleitung des großen Reformators befolgen, als mir das Glück auf den Teller hüpfte und ich an einem Buch mitwirken durfte, von dem ich stets der Meinung war, es fehle noch auf Berlins kulinarischen Büchertischen.

Jetzt ist es erschienen und man gestatte mir eine kurze Werbeeinblendung für diese gedruckte gastronomische Gebrauchsanweisung:

Berlin beißt sich durch – Kulinarische Kuriositäten in der Hauptstadt“ von Thomas Götz und Peter Eichhorn

Und darum geht es: So schmeckt Berlin – Die vielseitigste Stadt Deutschlands. Hier treffen die Extreme, Widersprüchlichkeit, Internationalität, Lebendigkeit, Tradition und auch das Chaos aufeinander.

CoverGAstroNicht nur auf den Straßen der Metropole, sondern genauso auf den Tellern, in den Gläsern und an den Tresen der Hauptstadt.

Maultaschen und Heuschrecken, It-Girl und Punk, Zyankali Cocktail und Berliner Weiße.

Stil oder Stilbruch? Extrem köstlich oder kolossal schräg? Lassen Sie sich führen, lassen Sie sich verführen, zu den versteckten kulinarischen Merkwürdigkeiten ebenso wie zu den bewährten schlemmerhaften Besonderheiten.

Ob bewährter Berliner oder Neuling in der Stadt, dieses Buch wird Ihr Leitfaden sein für die ganz besonderen gastronomischen Augenblicke und Abenteuer: Wer wagt, genießt!
Erschienen im Grebennikov-Verlag (ISBN 9783 9417 84017) zum Preis von 14,90 Euro. Erhältlich im gut sortierten Buchhandel!

Eine englischsprachige Ausgabe kommt in diesen Tagen unter dem Titel „Berlin Bites“ ebenfalls auf den Markt.

Wandertag der Schule der Trunkenheit

Alle Schöler der Schule der Trunkenheit freuen sich – Endlich geht es wieder auf Exkursion!

Berliner Geschichte muss keine trockene Angelegenheit sein. Den Beweis liefert das Team der Victoria Bar und begibt sich mit Shaker und Strainer P8140001und Stories heraus aus dem Dunkel der nächtlichen Tresenkunst, hinein in die Strassen von Berlin. Geschichten und Gestalten der Getränkekultur vergangener Zeiten werden präsentiert.

Ich freue mich sehr, dass ich auch in diesem Jahr wieder mitwirken soll und den Rundgang gemeinsam mit Beate Hindermann moderieren darf. 2008 fand die Premiere statt, die bewährte „Schule der Trunkenheit“ einmal in etwas anderer Form zu präsentieren. (Die Bilder in diesem Bericht stammen übrigens vom Vorjahres-Wandertag.)

Die Legenden werden wiederentdeckt. Das Café des Westens, Treffpunkt der Bohème der Kaiserzeit; das Romanische mit seinen Stammtischen und P8070032illustren Gästen und sonderbaren Kellnern. Das verruchte “Eldorado” mit den Herren-Damen. Olala.

Billy Wilder verpfändet seine Schreibmaschine, Joseph Roth schreibt die “Legende vom heiligen Trinker”, Kurt Tucholsky spendiert einen Schnaps.

Emil trifft die Detektive, der Prinz von Theben trifft Gottfried Benn und die Frau, die Anastasia sein wollte, trinkt im russischen Quartier am Wittenbergplatz.

Aufgelockert werden die Berichte durch Pausenbrote für die Schüler und die passenden Drinks zur jeweiligen Epoche. Gin Fizz geht immer! Und was ist P8070030eigentlich mit dem “Ur-Berliner Cocktail” schlechthin, der Berliner Weiße?

Auch wenn es die Bars und Treffs der Kaiserzeit oder der “Goldenen Zwanziger” so nicht mehr gibt, ein wenig lebendig werden sie heute dennoch. Und: man sieht die Strassen von Berlin plötzlich, für einen kurzen Moment, in einem neuen, alten Licht.

Wer diesen Pfad von Erkenntnis und Genuss am Sonntag 13. September um 15 Uhr beschreiten möchte , sollte sich rasch unter: sdtr@victoriabar.de bei den Victorianern anmelden! Der Teilnahmebeitrag beträgt 39.- Euro und beinhaltet sogar die großartigen Königsberger Klopse von 1a-Küchenmeister P8140022Jürgen.

Wer völlig unverständlicher Weise die Wanderung scheut (ts, ts), für den beginnt am 4. Oktober das Wintersemester 09/10 der Schule der Trunkenheit indoors, in der Victoria Bar.

http://victoriabar.de

Paris Moskau (Tiergarten)

Achtung, Hilfe, Feuerwehr! Die 112 hat gerufen. Nein, nicht die schon wieder. Wo brennt´s? Was mögen sie jetzt wieder wollen?

Auf meiner Rechnung vom Besuch im Restaurant Paris-Moskau steht: TischDSC03296 112. Ich könnte es nun dem Betreiber nicht vorwerfen, wenn dies eine Codierung wäre für: Obacht! Mega-anstrengende Gäste.

Nein, liebes Service-Personal, wir haben es euch nicht leicht gemacht an jenem Dienstag Mittag, Ende August. Ein verdammt heißer Tag, an dem eigentlich niemand gerne den kühlenden Schatten verlassen mag. Und dann kommen diese Gäste auf die Terrasse spaziert. Kommen kurz vor Ende der Mittagsverpflegungszeit, wollen jeden Wein kritisch verkosten, sind gegen jede Wespe phobisch, wollen spontan noch einen Zwischengang, mögen keinerlei Zitrone im Dessert…und….und…..und.

DSC03286Hungrig und übellaunig kamen wir daher. Es war mein Geburtstag. Ursprünglich wollten wir (gegen den Willen meiner kulinarischen Kumpanin) einkehren im milden Westen der Stadt, nahe dem Hubertussee, wo sich die teuren Tennisclubs anspruchsvoll bekochen lassen.

Dort hing zwar Ruinart-Reklame, die Tische der Terrasse waren aber seit geraumer Zeit nicht mehr von einem Abräumer aufgesucht worden.  Klebrig und schmutzig, statt einladend und appetitlich. Bloß weg!

Wohin? Na denn, hat nicht das Paris-Moskau auch eine nette Terrasse zum vergnüglichen draußen sitzen? Paris-Moskau. Geht das etwas genauer? Ja! An der Straße Alt-Moabit. Zwischen Knast und Kanzleramt.

So kam´s. Bestellung: Wasser!! Und: Das 4-Gang-Überraschungsmenü zu 36.- Euro. Was jetzt folgte war überraschend, genial, glücklich machend. (mehr…)

Zuckerfee (Prenzlauer Berg)

„Was willst Du-hu denn im Prenzlauer Berg? Die Wohnungen sind teuer da und auch der Strassenlärm…“ Diese Frage stellt, bzw. singt Horst Evers in dem wunderbaren Programm „Bezirkslieder – Berlin in den Grenzen von 1998″ DSC03278und zwar angelehnt an den großartigen Song „Wand´rin´ Star“, den Lee Marvin in „Paint your Wagon“ mehr brummt als singt:

(Beispielsweise bei YouTube)

Meiner einer will in den Prenzlauer Berg zum Frühstücken. Für die Vorbereitung einer Stadtführung war ich zuletzt recht viel im Przl.Berg unterwegs und durfte erfreut einige schöne Ecken zur Kenntnis nehmen, die noch nicht mit lonely-planet-flip-flop-Touristen überschwemmt sind. Die Greifenhagener Straße ist so ein Ort. Dort befindet sich eine kleine Oase für Tee, Kaffee und Frühstück – Die Zuckerfee. Ein kleines Puppenhaus, Verzeihung: Feendomizil,  zum einkehren.

Folgt man dem Brockhaus, so sind Feen schöne, zauberkundige, dämonische Wesen, die in Wäldern, Quellen, Grotten und auf fernen Inseln DSC03275Leben. Wie gut, dass es einige von Ihnen in den Prenzlauer Berg verschlagen hat, um dort Kuchen zu backen und Frühstück anzurichten. Davon, dass Feen schnell arbeiten und begabte Servierkräfte seien, steht nichts im Brockhaus, daher sollte man sich für den Besuch bei der „Zuckerfee“ reichlich Zeit mitbringen. Lieber noch etwas mehr, es lohnt nämlich.

Sorgfältig und charmant wird nach geraumer Zeit der Tisch befüllt. Beispielsweise mit Waffeln, Pancakes, Süßem, Herzhaftem. Alles frisch und fein. Dazu gibt es hervorragende Kaffeevariationen und zahlreiche Teesorten oder Smoothies.

Ein Kuchenbüffet, eine Eiscrèmestation und ein Regal mit hübschen Kleinigkeiten zum Kaufen für Daheim, vervollständigen das kleine Prenzl-DSC03277Avalon.

Zurück zur Musik. In ihrer Webpräsentation bezieht sich die Zuckerfee auf Tschaikowsky und den Tanz der Zuckerfee – und da komme ich mit Lee Marvin daher. Und dann auch noch mit „Paint your wagon“, was in der deutschen Version „Westwärts zieht der Wind“ betitelt wurde, dabei zog ich doch frühstückstechnisch definitiv gen Osten.

Also streichen? Nein. Erstmal muss die Zuckerfee erklären, warum auf dem Herrenklo Herr Zappa hängt, gell!?

DSC03274

Zuckerfee, Greifenhagener Straße 14, 10437 Berlin (Prenzlauer Berg)

www.zuckerfee-berlin.de

Eichi = Der Mann, der gerne ißt!

Chinesisch-Nachhilfe für Geburtstagskinder kann sehr erhellend sein.

Gestern war ich es, der Geburtstag feiern durfte. Die Feierlichkeiten zeigten sich sehr abwechslungsreich mit famoser Kulinarik, wundervollen Überraschungen, aber auch Gewitter über dem Biergarten mit anschließender Flucht in die nahe gelegene Homes Bar.

Vielleicht hätte ich mir ein Horoskop erstellen lassen sollen statt dem dämlichen Wetterbericht der Berliner Morgenpost zu vertrauen. Was soll´s. Statt Horoskop gab es fantastische chinesische Erklärungen vom lieben Herrn Wu aus dem Restaurant Hot Spot, der mir die chinesische Deutung des „Eichi“ präsentierte. Es heißt nämlich (und wenig überraschend): Der Mann, der gerne isst!

ai-chiAufgemalt hat er es mir auch. Jetzt erwäge ich selbstverständlich eine Tätowierung.

Veröffentlicht in:  on 26. August 2009 at 18:21 Kommentare (6)
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Der Garten des Einstein (Tiergarten)

„Das gab´s nur einmal“.  So lautet 1958 der Titel des letzten Films, in dem man Henny Porten erleben konnte. Die Villa der Grande Dame des deutschen Stummfilms, die sich 1933 tapfer weigerte, sich von ihrem jüdischen Mann zu trennen und deshalb von den Nazis boykottiert wurde, DSC03012ist heute für alle offen zugänglich und bildet für viele Berliner einen herrlichen, entspannten Rückzugsraum mit Wiener Kaffeehauscharme.

„Einstein“ mit Kaffee gibt es in Berlin ja diverse. Dieses, an der seltsamen Kurfürstenstraße, gibt´s definitiv nur einmal und es ist auch das einzig Wahre. Diese Meinung zahlreicher Stammgäste teile ich durchaus und vor allem in den Sommermonaten, wenn auf der herrlichen Terrasse Platz genommen werden kann und der Alltag zur Nebensächlichkeit wird.

Im Garten der Villa möchte man sich ach so gerne vorstellen, wie Henny Porten mit Pola Negri und Asta Nielsen einen Champagner zu sich nimmt und die Augen rollt, wenn die Damen den aktuellen Auftritt von Hans Albers im Hebbel-Theater kritisch resümieren.

Ein Schnitzel hätte sie womöglich nicht so dringend benötigt, wie ich an einem hungrigen Samstag.

Zu jDSC03015eder Tageszeit vermag das Einstein glücklich zu machen, egal ob zum Tee, zum Frühstück, zum Dinner, mit einem Kaffee der eigenen Rösterei.

Die Küche ist klassisch, bewährt und frisch. Knackige Salate, deftiges Entrecôte, üppiger Apfelstrudel oder eine geniale Patisserie verwöhnen den Gaumen. Das Schnitzel geht übrigens immer, so verraten es die kontinuierlichen Klopfgeräusche aus der Küche. (mehr…)